Meinung

I, Robot

Terminator 1, 2, 3, 4

Matrix 1, 2, 3


I, Robot

Endlich eine sehenswerte Verfilmung eines Asimov Stoffes! Seitdem ich die Robotergeschichten gelesen habe (ist schon eine Weile her), habe ich sehnsüchtig darauf gewartet. Und ich muss sagen: Das Warten hat sich gelohnt!

I, Robot ist nicht nur ein spannender und mitreißender Film (das ist Spider-Man auch), sondern er schafft es auch, dem Universum asimovscher Phantasie passende Bilder und eine angemessen  tiefgehende Story zu geben. Denn Asimov war ein nachdenklicher Mensch, der auch zum Nachdenken anregen wollte.

Gleich am Anfang werden seine drei berühmten Robotergesetze zitiert - und obwohl man sich im Design des Films an den Charme der 50er Jahre erinnert fühlt (humanoide Roboter als Haushaltshilfen), spürt man doch sogleich, dass es um wichtige und beunruhigende Dinge geht: Können und dürfen Menschen leidensfähige künstliche Wesen schaffen, die Gefühle haben und sich über ihren Tod Gedanken machen? Und: Dürfen und sollen die Menschen solche Wesen zu willfährigen Dienern erniedrigen, die keine anderen Rechte haben als die Sklaven im alten Rom?

Diese moralisch tief greifende Problematik trat schon bei Mary Shelley's "Frankenstein" (1818) und bei Fritz Langs und Thea von Harbous Film "Metropolis" (1926) auf, aber erst Isaac Asimov hat sie aus der Phantastik herausgeholt und in einen greifbaren und plausibel erscheinenden technisch-wissenschaftlichen Kontext gestellt.

Bereits als ich das Kino verließ war mir klar, dass ich mehr über die Robotergesetze schreiben müsste, als ich das in "Amöben, Computer und wir" getan habe. Das Ergebnis finden Sie unter Artikel.

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Terminator 1, 2, 3, 4

Terminator 2 ist ein starker Film. Wie Sarah Connor gegen den Wahnsinn in ihrer Umgebung kämpft, der auch ihr eigener ist, der jedoch in Wirklichkeit die von niemandem geglaubte Realität darstellt. Herrlich auch das Spannungsfeld zwischen dem "guten" Terminator und dem jungen John Connor, der seine Bestimmung halb ablehnt, halb auslebt. Aber zwei Dinge sind philosophisch problematisch:

  1. Die Reisen der Terminatoren durch die Zeit, und
  2. der Aufstand der Maschinen, ausgelöst durch die spontane Bewusstwerdung des internationalen Computernetzwerks.

Die Filme kokettieren mit dem Paradoxon der Zeitreise, ohne es aufzuheben: Ein Terminator wird in die Vergangenheit geschickt, um einen Menschen zu töten, der in der Zukunft ein wichtiger Feind geworden ist. Würde der Mord gelingen, gäbe es diesen Feind in der Zukunft nicht und damit auch keine Notwendigkeit einen Terminator mit Tötungsauftrag in die Vergangenheit zu schicken. Eine Zeitreise ist tatsächlich nicht durchführbar, weil sie eine Verletzung der kausalen Verfasstheit unserer makrophysikalischen Welt darstellt.

Ich glaube auch nicht, dass ein Computernetzwerk spontan Bewusstsein erlangen kann, weil dazu sämtliche Voraussetzungen fehlen. Die wichtigste davon ist das Vorhandensein eines in sich geschlossenen Körpers, der zwischen Innen und Außen unterscheiden kann. Außerdem bleibt die Frage offen, warum ein Computernetzwerk gleichzeitig mit der Erlangung von Bewusstsein ein Interesse entwickeln soll, die Menschheit zu vernichten. (Genauso gut könnte es auch den Menschen ewig dankbar sein, weil sie es ja gebaut haben)

Terminator 4? Keine Tiefe, keine Magie - nur flache action. Muss man nicht gesehen haben.

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Matrix 1, 2, 3

Der erste Teil ist genial konzipiert: Wir erleben Neos Realität wie unsere eigene und bemerken mit ihm zunehmend die Brüche und Risse in seiner Umgebung. Spannend auch zu sehen, wie Morpheus ihn aus dem Gefängnis seiner Wahrnehmung herausholt, ihn dazu bringt, seinen wahren Körper zu finden und damit die Wirklichkeit. Dahinter steckt eine zutiefst atavistische Vorstellung: Irgendwie können wir nicht glauben, dass das, was wir erleben, die reale Welt ist. Wir fühlen uns gleichzeitig in ihr gefangen und von ihr entfremdet.

Doch ist es möglich, dem Bewusstsein eine Realität vorzugaukeln, die es für die Wirklichkeit hält? Ja und nein: Da sich ein einzelnes Gehirn durch Sinnesreize aus seiner Umgebung entwickelt, kann eine Manipulation der Wahrnehmung das Gehirn in eine bestimmte Richtung drängen. Aber: Die Simulation der Außenwelt müsste absolut perfekt sein, um kognitive Dissonanzen und pathologische Effekte zu vermeiden. Die Absicht, die gesamte Menschheit auf diese Weise zu versklaven ist nicht nur monströs, sondern auch undurchführbar, weil sie eine unmögliche Voraussetzung fordert: die vollkommene Synchronisation. Die Operation der Umgestaltung müsste für alle Menschen zeitgleich durchgeführt werden, da Veränderungen an einzelnen Menschen von anderen bemerkt würden, die daraufhin aus Sorge um ihre eigene Gesundheit Widerstände bilden würden. Die zu Grunde liegende ethische Verantwortung für andere Menschen in dieser extremen Belastungssituation vorzuführen ist das eigentliche Verdienst der "Matrix".

Der dritte Teil "Matrix Revolutions" ist insgesamt enttäuschend, obwohl er ein irrwitziger Actionfilm  ist. Man hat den Eindruck, als ob die Wachowski-Brothers weder ihre eigene Geschichte, noch die Begeisterung des Publikums darüber verstanden hätten. Es werden mehr Fragen aufgeworfen, als beantwortet - und die meisten Antworten sind absurd. Beispielsweise sitzt am Ende das Orakel als realer Mensch auf einer realen Bank in der realen Welt - obwohl sie selbst mehrfach gesagt hat, dass sie ein Programm sei: "ein paar Bits sind alt, ein paar Bits sind neu". Warum zieht sich die virtuelle Welt plötzlich wie ein Abziehbild aus der realen zurück, so als ob sie nie ein eigenständiges Leben in den Gehirnen der Menschen gewesen wäre? Und wieso können die Maschinen die rebellierende virtuelle Figur Agent Smith nicht einfach abstellen, obwohl sie sie selbst geschaffen haben?

Das zugrunde liegende Problem ist nicht einfach ein schlechtes Drehbuch, sondern ein konstruktives: Während das Bewusstsein eines Menschen in Träumen und Phantasien schwelgen - oder wie im Film mit virtuellen Realitäten gekoppelt werden kann - kann der Körper die wirkliche Welt nicht verlassen. Das zeigt der erste Teil ganz deutlich und das macht dort auch einen dramaturgischen Höhepunkt aus. Die Absurdität des dritten Teils liegt darin, dass er diese Trennung mit den tricktechnischen Mitteln des Films auf eine märchenhafte Weise versucht aufzuheben - wobei sich bei jedem von uns das schale Gefühl einstellt, betrogen zu werden.

Dennoch hat die Matrix-Trilogie die philosophische Frage nach der Realität auf eine unterhaltsame Weise neu aufgeworfen - und sie auf ihre Weise auch beantwortet:

Ein Lebewesen lebt immer in der Welt, in der sich sein Körper befindet - gleichgültig was es dabei denkt und empfindet.

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