Philosophie

Der materialistische Konstruktivismus ist nicht nur eine Weiterentwicklung des radikalen Konstruktivismus (Heinz von Förster, Ernst von Glasersfeld, Humberto Maturana, Paul Watzlawick u.a.), sondern auch ein originärer, visionärer Entwurf, in dem die ursprünglichen philosophischen Themengebiete der Gründerväter (im Wesentlichen: Erkenntnis- und Systemtheorie) durch eine universelle Ethik und die Einbeziehung der künstlichen Intelligenz in eine allgemeine Handlungs- und Erkenntnistheorie überführt werden.

Ein radikaler Konstruktivist ist der Ansicht, dass die Realität eine Konstruktion des Bewusstseins ist, und dass wir die Wahrheit unseres Realitätsverständnisses nicht dadurch beweisen können, indem wir es mit der Realität selbst vergleichen, sondern vielmehr durch unsere Fähigkeit, Probleme zu lösen. Diese Konsequenz wird aus einer Fülle naturwissenschaftlicher Erkenntnisse abgeleitet (z.B. aus der Biologie und der Neurophysiologie).

Dieser Auffassung bin ich auch. Allerdings denke ich, dass ein philosophischer Ansatz, der die Objektivität menschlicher Erkenntnisfähigkeit grundsätzlich in Frage stellt, nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse irgendeiner Art begründet werden sollte, weil diese Erkenntnisse selbst nur relative Gültigkeit haben können.

Außerdem denke ich, dass auch ein radikaler Konstruktivist der Frage nach dem Materiellen an sich folgen sollte, um nicht wesentliche Denkvoraussetzungen links liegen zu lassen. Denn auch das ist ein Widerspruch im radikal konstruktivistischen Ansatz: Wer das Nachdenken über die Materie und die Auseinandersetzung mit ihr unter idealistischen Vorzeichen betrachtet, kann am Ende die Erfolge der Naturwissenschaften und der Technik nicht mehr erklären. Und das ist umso bedauerlicher, als auch die Erkenntnisse des radikalen Konstruktivismus darauf basieren.

Es ist nicht nur notwendig, das Materielle in den Begriff der Realität wieder aufzunehmen, sondern auch den evolutionären Erfolg der Lebewesen auf diesem Planeten auf seine Voraussetzungen abzuklopfen.

In dem Buch "Amöben, Computer und wir" gehe ich einen anderen Weg. Dort versuche ich eine Begründung aus der Lebenswelt heraus, indem ich vom Körper mit seinen Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten ausgehe. Die menschliche Erkenntnisfähigkeit wird nicht allein durch die Funktionsweise des Gehirns und des zentralen Nervensystems bestimmt, sondern wesentlich durch die Art und ´Weise, wie ein Körper aufgebaut ist und über welche Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten er verfügt.

Der Begriff des "Konstrukteurs phantastischer Realitäten" verallgemeinert diesen Ansatz. Durch ihn ist es möglich, den Anthropozentrismus der Philosophie zu verlassen und nicht nur Tiere und Pflanzen in die Betrachtung zu übernehmen, sondern auch künstliche Geschöpfe wie Roboter und - falls es sie geben sollte - außerirdische Intelligenzen.

Der Ansatz hat weit reichende Konsequenzen:

  1. Es entsteht die Theorie eines sich selbst organisierenden Bewusstseins, das sich konstruktiv von einfachen zu höheren Formen entwickelt.
  2. Es wird eine universelle Ethik entworfen, die auf der goldenen Regel basiert und für alle Konstrukteure phantastischer Realitäten in gleicher Weise gültig ist.
  3. Es wird behauptet, dass Geist und Materie als Einheit betrachtet werden müssen, um das Problem des Entstehens des Neuen aus dem Alten zu lösen, und dass die Zukunft offen ist, obwohl die Welt kausal eingerichtet ist.
  4. Es wird der Schluss gezogen, dass die Fähigkeit zur Konstruktion phantastischer Realitäten fundamental für alles von uns erlebte Weltgeschehen ist, so dass sie einen gleichberechtigten Rang neben der Variation, Selektion und Replikation in der evolutionären Erkenntnistheorie einnehmen sollte.

All dem liegt die Unlösbarkeit des Teil-Ganzen-Problems zu Grunde: Kein Teil kann gleichzeitig das Ganze und Teil dieses Ganzen sein.

"Amöben, Computer und wir" verzichtet auf einen wissenschaftlichen Apparat und führt stattdessen den Leser in Form eines Gesprächs durch die wichtigsten philosophischen Themengebiete. Es gibt einen Menschen (Daniel), einen autonomen, intelligenten Roboter (Carolus) und einen Außerirdischen (Ungungun), die jeweils verschiedene Aspekte der Theorie verkörpern. Das Gespräch findet am Anfang des 22.Jahrhunderts statt und ist in eine fiktionale Rahmenhandlung eingebettet.

Trotz des anspruchsvollen Themas ist das Buch - meiner Meinung nach - flüssig und leicht zu lesen. Der Leser möge entscheiden!

Wer mehr über das Thema erfahren möchte, kann das Vorwort als PDF-Datei herunterladen.

"Amöben, Computer und wir - die Konstruktion phantastischer Realitäten" ist im August 2002 erschienen.

ISBN 3-8311-3759-5 BoD 19,90 € 263 Seiten 24 Abbildungen

Titelbild des Buchs

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http://buecherei.philo.at/epistem.htm

http://www-users.rwth-aachen.de/gunter.heim

http://www.hwalther.de

http://www.hyperkommunikation.ch

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